Fachärzt*innen II

Seit Wochen bin ich damit beschäftigt, mir für das Neue Jahr Ärzt*innen-Termine in verschiedenen Fachrichtungen zu besorgen, um mich mal richtig auf den Kopf stellen zu lassen. Die Idee dazu kam mir bei dem für mich vorerst letzten Termin in einer sogenannten „MonopolPraxis“, der mich ziemlich entsetzte und wütend machte, aber auch maximal hilflos zurückließ.

Ich habe lange überlegt, ob ich das überhaupt öffentlich machen soll. Doch wie soll sich was ändern, wenn so etwas nicht öffentlich gemacht wird? Klar, ich könnte das Ganze der Kassenärztlichen Vereinigung vorstellen – doch mit welchem Ziel? Dass die Stimmung in dieser Praxis noch schlechter wird? Dass die Praxis vielleicht sogar schließen würde und damit diese Fachrichtung komplett entfällt? Meinen nicht repräsentativen Umfragen nach, die ich in vielen Stunden Wartezeit anstellen konnte, drittelt sich das Klientel der Patient*innen dieser Praxis. Das eine Drittel ist super zufrieden und bereits seit Jahren dort in Behandlung. Das zweite Drittel fühlt sich mit dem eigenen Krankheitsbild gut aufgehoben und versucht alles Ungemach nicht an sich heranzulassen. Das dritte Drittel, zudem ich mich zählte, würde liebend gerne wechseln, gäbe es denn eine Alternative.

Es gibt Alternativen, wenn auch nicht in der Stadt, in der Nähe – das ist der sauere Apfel, in den es sich hoffentlich zu beißen lohnt.

In die Not eine/n Pulmolog*in / Pneumolog*in aufsuchen zu müssen kam ich im Frühjahr 2019. Meine Hausärztin wusste ob meiner unterschiedlichen teils allergischen aber eben auch asthmatisch anheimelnden Symptome nicht mehr so recht weiter, zumal auch die HNO-Ärztin diverse Allergien austestete und ein allergisches Asthma nicht ausschließen wollte,  und bat um Mitbehandlung. So begab ich mich zu dem einzigen niedergelassenen Facharzt in dieser Fachrichtung.

Mit meiner RöntgenCD und Überweisung im Gepäck fiel ich  in der Praxis ein und wäre am liebsten gleich auf dem Absatz umgedreht. Eine „Anmeldung“ mit vier teils künstlichen Blondinen bestückt, eine jede mit einem Gesichtsausdruck der verriet, dass das Leben als Arztschwester, Arzthelferin, so schön sein könnte, wenn die lästigen Patienten nicht wären. Ich reichte meine Krankenkassenkarte, nebst Überweisung und CD über den Thresen und wurde gleich angefaucht, dass ich jetzt aber nicht bleiben könne, ich würde ja sehen, was los sei. Was ich sah, waren hustende, pfeifende, niesende Menschen, die sich im Rund den Praxisflur teilten, darauf lauernd, dass der nächste Stuhl frei würde, den man okkupieren kann. Ich sah Damen und Herren jenseits der 80 Jahre, die an die Wände gelehnt standen, während Mitzwanziger und -dreißiger starr in ihr Mobiles starrend Bonbons schubbsten oder durch SozialeMedien surften.

Nein, nein, ich wolle einen Termin machen, überwiesen durch meine Hausärztin, irgendwas mit Verdacht auf allergisches Asthma. Ein μ erhellte sich das Gesicht der TerminBlondine, die sofort in ihrem Computer zu „blättern begann“, während die TelefonBlondine ihre/n Gesprächspartner*in am anderen Ende der Leitung bockig immer lauter anschrie – Wie unangenehm, nicht nur für mich, auch für einige im Praxisflur, die verständnislos mit dem Kopf schüttelten. „Hier hab ich noch was frei am x. September.“ Ich holte tief Luft, musste alsgleich husten und fragte, ob es nicht vielleicht ein wenig früher möglich wäre, immerhin schruben wir April. Nein, das ginge nicht, sie seien auch die einzige Praxis, entweder ich komme im September oder mit Beschwerden als Notfall. So oder so müsse ich Zeit mitbringen. Letzteres ahnte ich schon, da sich im Praxisflur nicht wirklich etwas bewegte. Sie notierte mir den Termin auf einem Zettel und schob mir barsch meine Unterlagen über den Thresen zurück. Hinter mir staute sich derweil das Patientenaufkommen bis in die erste Etage nach unten im Treppenhaus.

Im September dann, fand ich mich mit neuer Überweisung zu meinem Termin ein, bekam ein paar allgemeine Fragen gestellt – und gefragt, ob ich zu ihm oder zu ihr wolle. Er war der Praxischef, sie die Neue. Ich entschied mich für die Neue, wohl aus der Hoffnung heraus, dass ganz soviel aus dieser Praxis noch nicht auf sie abgefärbt haben könnte. Tja, was soll ich sagen – 6 – in Worten SECHS Stunden später kam ich dran.

Was jeder Patient im Praxisflur und ich in diesen sechs Stunden hätten an Patient*innendaten abgreifen können, geht auf keine Kuhhaut. Zudem legt/e jede Schwester eine Pampigkeit an den Tag, die wirklich kaum auszuhalten war, insbesondere wenn es sich um ältere Menschen handelte, deren altersgegebene Schwerhörigkeit wohl schon als Affront gegen die Rezeptionsgarde gewertet wurde.

Die Ärztin wirkte sehr sympathisch, wenn auch sehr hektisch. Sie entschuldigte sich tausendmal, 6 Stunden seien nun wirklich nicht üblich, aber dadurch, weil der Chef aufhöre und sie die Praxis dann übernehme, sei es noch etwas chaotisch. Nun aber sei ich ja bei ihr, wo denn der Schuh drückte. Tatsächlich und entgegen meiner Erwartungen nahm sie sich Zeit, untersuchte mich und meine Behandlung des allergischen Asthmas begann. Ich erhielt ein Inhalationsspray für den täglichen Gebrauch, sowie ein Notfallspray, sollte ein Asthmatagebuch führen und ferner in den nächsten Wochen an eine Schlafüberwachung angeschlossen werden.

Der Termin lag dann gerade noch so vor meiner Reha im Oberharz, ich verbrachte diesesmal nur 4 Stunden auf dem Flur und zeigte, dass mein Schlaf als solcher kaum gewertet werden kann, ich schnarche und das in Gesamtheit auch zu Depressionen führen kann. Entsprechend bekam ich eine Schlafmaske, ein sogenanntes CPAP verordnet, das ich zu Nikolaus, nach der Reha erhielt.

Im Frühjahr 2020 hatte ich einen Kontrolltermin, saß drei Stunden im Flur und konnte meinen Unmut über die Thresenblondinen nicht mehr für mich behalten. Die Ärztin beschwichtigte mich dahingehend, dass sie in Kürze die Praxis übernehmen würde und sich dann so einiges ändert. Sie würde in den letzten Monaten [sic] häufig solche Anmerkungen und Beschwerden hören, aber so lange der Chef seine Hände über „sein Team“ hielte, seien ihr noch die Hände gebunden. Während der 15 Minuten in ihrem chaotischen Behandlungsbüro wirkte sie komplett überarbeitet und noch hektischer als vorher. Darauf angesprochen gab sie ihrer Hoffnung Ausdruck, dass sich auch das mit der Praxisübernahme bald ändere.

Herbst 2020 – Termin unter Coronabedingungen – naja, es war Corona und es stand eine Flasche Desinfektionsmittel auf dem Thresen. An der Tür ein Zettel mit Patientenverhaltensregeln und am Thresen selbst trennt seither eine Plexiglasscheibe Patienten von Blondinen. Warteflur, Atemtest, Warteflur, zwei Stunden später dann ein FünfMinutenQuicky bei Frau Dr. In ihrer Rede sprang sie von Schlafapnoe zu Atemstillstand, Depressionen zu Schnarchen, Schlaflabor zu Asthmatagebuch, Auslesen des CPAP-Chips zu… Ihr Telefon klingelte zum vierten Mal, dann kam eine Schwester ins Zimmer gestürmt und Frau Doktor verabschiedete sich mit den Worten, dass ich mich im Schlaflabor anmelden solle, was aber durchaus eine Weile dauern könnte und wir sehen uns dann im Frühjahr wieder.

By the way, bis dahin riskierte Frau Dr. nicht einen Blick in meine Thorax-Röntgenbilder aus derweil 2019 und interessierte sich auch nicht für irgendwelche Ergebnisse aus der Reha, wie z.B. Biofeedback – im Vordergrund ihrer Behandlung scheint mein Schlaf, bzw. der nicht stattfindende gesunde Schlaf. Der Oberhammer an diesem Tag war allerdings die Antwort einer Schwester auf einen sehr erbosten älteren Herren. Was der Herr auf dem Herzen lag, konnten wir nicht verstehen, die Schwester dafür um so besser: „Na, dann suchen Sie sich doch einen anderen Arzt. Viel Spaß dabei. Wir sind in Greifswald die einzigste [sic!] Praxis. Sie werden schon sehen, was Sie davon haben.

Als ich im Frühjahr diesen Jahres – IMMER NOCH CORONA –  meinen Termin bei Frau Dr. hatte, war sie nicht da und wurde von dem „alten Praxischef“ vertreten. In dem vergangenen halben Jahr wurde das Rumpellager mit Blutabnahme und Schlafüberwachungserklärfunktion zum schicken Wartezimmer umfunktioniert.  Er frug mich, wie es mir geht und als ich ihm antworten wollte, fiel er mir gleich ins Wort, dass ich sicher kein Asthma hätte. Vielleicht habe ich eine Form von Heuschnupfen, aber kein Asthma und darum würde das Inhalieren auch keinen Sinn machen. Das Medikament sei viel zu stark – mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Ob ich mit der Maske zurecht käme. Ich nickte und wieder war er schneller – ja ich solle nicht aufgeben, ich würde mich schon gewöhnen und er habe mir jetzt ein neues Medikament verordnet gegen Husten, das solle ich mal ausprobieren. Einen Termin zwischendurch brauchte ich nicht, es reicht, wenn ich im Herbst wieder zur Kontrolle käme. Vier Stunden Wartezeit obwohl, vielleicht coronabedingt, im Vergleich zu sonst nicht mal ansatzweise so viele Patient*innen da waren; vielleicht ein Drittel? Sitzt die Maske nicht richtig, werden die Patienten angeschnauzt, das war aber auch schon die einzige Kontrollinstanz. Nichtmal auf der Toilette befindet sich Desinfektionsmittel für die Hände. Die Begleitung eines Patienten beschwert sich darüber, wie lax mit den Coronamaßnahmen umgegangen würde und erhält schnippisch  zur Antwort: „Sie müssen ja nicht herkommen. Sie können Frau XYZ auch einfach abgeben und sich dann die Zeit vertreiben in der Stadt. Wir rufen Sie an, wenn sie abgeholt werden kann.“

Herbst 2021 – je näher der Termin rückt, um so unwohler fühle ich mich. Alleine die Vorstellung wieder einen halben Tag zu „verschenken“, zumal der  Auswertungstermin Schlaflabor fast drei Monate nach dem September-Termin im Schlaflabor liegt. Derweil hat sich das Patient*innenaufkommen wieder eingepegelt. Jetzt sind Wartezimmer und Praxisflur voll besetzt, auf Abstand achtet so gut wie niemand mehr und hier wird auch nicht korrigierend eingegriffen. Nach nur einer Stunde darf ich immerhin schonmal zum Atemtest. Eine weitere Stunde später zu Frau Dr., die mir vorkommt wie das reklamebekannte Duracellhäschen. Wieso ich jetzt erst zur Auswertung komme? Warum ich meine Maske nicht dabei hab. Wieso wir noch nie einen Allergietest gemacht hätten und die Röntgenbilder seien aus 2019. Dann hörte sie mich ab, faselte von klingt alles gut und ob mir das Viani bekomme – ich weise sie darauf hin, dass ich das schon seit einem Jahr nicht mehr nehme, weil Herr Doktor das für überdosiert hielt und sie darauf im Herbst nichts zu sagen wusste. Aber ich würde beim Atmen ja schon pfeifen. Und dann kam der Satz der Sätze: „Jetzt lassen Sie uns das doch mal Schritt für Schritt alles durchgehen!“ Ich musste wirklich an mich halten und kam auch gar nicht mehr dazu irgendwas zu sagen oder zu tun, weil nicht nur innerhalb meiner „Behandlung“ NON STOP das Telefon bimmelte, sondern wir auch insgesamt dreimal gestört wurden. „Wo waren wir stehengeblieben?“  Es reicht! Kurz bevor ich platze sagt sie, „… das macht jetzt alles keinen Sinn, machen Sie bitte einen Termin für eine Nacht Schlafüberwachungsgerät, das kennen Sie ja schon. Bringen Sie dann Ihre Maske mit und schreiben Sie eine Woche Ihre PeakFlow Ergebnisse auf. Achja und einen Allergietest machen wir dann auch gleich. Jetzt nimmt Ihnen die Schwester noch eben Blut ab und wenn Sie nichts von uns hören, sprechen wir beim nächsten Mal darüber. „

Ich bin fassungslos. Die Schwester, die mir Blut abnimmt ist die AtemSchwester, die auch im Atemzentrum sitzt – nur noch schlechter gelaunter. Sie referiert über meine Venen und als ich sage, dass bislang immer noch jede Blut gefunden hat, antwortet sie: „Auf sowas hab ich jetzt aber gar keine Lust. Entweder das geht jetzt oder wir lassen das!“  Hätte sie es mal gelassen, der ca. camembert-große blaue Fleck hat mich noch 10 Tage erinnert und gemahnt. Sieht irgendwie aus wie ein kotzendes, knieendes „Männlein“.

Ein Termin wurde mir dann auch nur für das Schlafgerät gegeben, alles andere tat die TerminBlondine ab mit den Worten, ja das sehen wir dann, wenn wir die Ergebnisse haben.

Kurzum, ich sagte die Termine später ab. Ich mag nicht mehr. Ich kann nicht mehr – vorallem kann ich keine Garantie mehr dafür übernehmen, irgendwann nicht auszurasten, wenn sich wieder eine dieser Blondinen hervortut. Hätte ich mich in meinen Praxiszeiten jemals so hervorgetan, mich erdreistet mit Patient*innen oder Kolleg*inne ist zu reden – Ich wäre hochkant rausgeflogen, fristlos entlassen worden. Aber was stört die gammelige Visitenkarte, wenn man die einzige Anbieterin vor Ort ist?

Zudem bin ich jetzt das dritte Jahr dort in Behandlung, oder wie man das immer auch nennen will. Bis auf die Bestätigung der Schlafapnoe gibt es nichts handfestes. Es ist weder geklärt, ob ich nun allergisches Asthma habe oder nicht, noch ob sich vielleicht an meiner Lunge was verändert hat zu 2019. Es hat niemand ins Asthmatagebuch geguckt oder dieses ausgewertet.

Im Februar 2022  habe ich nun einen Termin bei Pneumologen & Schlafmeduzynikern außerhalb Greifswalds und ich bin wirklich sehr, sehr gespannt. .

 

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