Mein letzter FREI-Tag

… und die Aufregung ist riesig.

Am Dienstag noch, ließ ich mich von meiner neuen wunderbaren Psychiaterin und Mittwoch von meiner Psychologin einnorden und briefen. Neben einem zusätzlichen leichten Antidepressiva für die Nacht bekam ich allerlei Mut zugesprochen und Mantras mit auf den Weg. Immerhin beschäftigte mich der Termin am nächsten Tag beim Amt schon seit Erhalt und löste so manche zusätzliche PanikAttacken und noch stärkere körperliche Beschwerden und Schlafstörungen aus.

„Was kann Ihnen denn schlimmstenfalls passieren?“

Ich hasse diese recht schlaue Frage meiner Psychologin, ist doch schon alleine der Termin der schlimmste Fall. Wie schon in einem meiner vorherigen Beiträge erörtert, verbinde ich mit diesem Amt sowohl eigene schlechte Erfahrungen, als auch dunkele Erinnerungen an Besuche mit ehemaligen Schützlingen. Aber es nützt ja alles nichts. Zum einen: „Watt mutt, datt mutt.“ und ich möchte ja auch… Andererseits schwebt die Frage über mir, ob ich überhaupt schon kann? Ich merke es ja schon an der Weiterbildung „Tiergestützte Arbeit“, wie schwierig das mit der Konzentration ist. So hat mich diese „Anhörung wegen des Verdachts auf sozialwidriges Verhalten“ völlig aus der Bahn und damit aus dem Lernen geworfen, mich gelähmt und paralysiert . Ohne die fabelhafte Unterstützung der Caritas, hätte ich dieses Problem sicher nicht alleine bewältigen können. Da macht man sich vor diesem Amt komplett nackig, macht freiwillig sogar noch Angaben, die eigentlich dort überhaupt nichts zu suchen haben und dann wird einem im fiesesten Amtsdeutsch Betrug unterstellt. Und das nur, weil der Gesprächspartner am Telefon nicht richtig zuhört, nicht richtig verstehen will kann und auch nicht nachfragt – Düdümm, dann hat man den Salat. Sowas kann passieren und nach den Erfahrungen mit diesem Amt und der These der selbsterfüllenden Prophezeihung, passiert es natürlich auch! Wenn dann noch in der Einladung steht, dass coronabedingt keine Begleitung gestattet wird, klemmt der An-Schalter des depressiven  Kopfkinos auf ewig.

Natürlich war ich, trotz Helferlein-Pillchen und vieler, vieler guter Worte und Wünsche super aufgeregt, mir war schwindelig und übel – aber es gab kein Entrinnen. Der Masterplan stand fest – Ganz ruhig und souverän bleiben *gackerprust*, mich nicht provozieren lassen und auch das Gegenüber nicht provozieren, Erinnerungen und Erfahrungen abschütteln und möglichst unbefangen in das Gespräch gehen. Nichts sofort unterschreiben, sondern mitnehmen, drüber schlafen, mit einer meiner Verbündeten oder dem Verbündeten schlechthin erörtern und dann erst handeln.

Findet den Fehler, ach was – die Fehler. Alles nicht gerade meine Stärken – wenn es um mich selbst geht. Für andere kann ich das in vollendeter Coolness.

Denn erstens kommt es anders, als man zweitens denkt.

Die Begrüßung war sehr freundlich und entgegenkommend, die Coronaregeln wurden erläutert und die persönlichen Daten geprüft. Dann begann der freundliche „Herr Gegenüber“ mir eine Brücke zu bauen, wie er es nannte. Brücke wohl im Bezug auf die Anhörung und wie sich später herausstellte, lag das ganze Mistverständnis in einem falschen Kreuzchen, das ich setzte in meinem Antrag, den ich tatsächlich voller Stolz ganz alleine ausfüllte – Das hatte ich nun davon. Ich biss mir auf die Zunge und ließ „Herrn Gegenüber“ ausreden. Er erzählten von Gesetzesgrundlagen und Möglichkeiten, Ermessen und seiner Brücke.  Als er Pause machte, hörte ich mich fragen, wo ich unterschreiben kann, er lächelte und sagte etwas von: „Das hatte ich ja gehofft, aber dass Sie sich so freuen.“  Ich untermauerte nochmal, dass ich ja willig sei, mich auch bemühe und Bewerbungen schreibe, dass ich aber immer auch schauen muss, was gesundheitlich geht und was nicht. In dem Falle seines Angebotes weiß ich, dass ich das schaffe – oder sagen wir, hoffe ich sehr, dass ich das schaffe und bin mir sicher, dass ich mit dieser Einsatzstelle großes Glück habe und dort auch jede Unterstützung erfahren werde.

Und nun?

Ratet mal! Welche Einsatzstelle könnte wohl mein großes Glück sein? Na? Keine Idee? Dann lass ich mal Bilder sprechen.

Unglaublich oder? Ab Dienstag bin ich, nach neun Jahren, wieder  fünf Tage die Woche für je vier Stunden Mitarbeiterin des Tierparks Greifswald.

Selbstnatürlich habe ich einen Mordsrespekt vor der neuen Aufgabe, aber da schwingt auch jede Menge Freude mit, an diesem meinem vorerst letzten FREI-Tag.

Ich schaffe das?!

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