Physische Kontakte kann man nicht digitalisieren

Psychologische aber schon

Vergangene Woche führte eine Talkrunde ein Interview mit dem Moderator Johannes B. Kerner. Er berichtete über seine Quarantäne, stand Rede und Antwort zu Fragen, die zur Zeit global von Interesse sind. Ein Satz, der sich mir einprägte war:

Physische Kontakte kann man nicht digitalisieren

Wie wahr er doch spruch. Als Mensch mit Depressionen erlebe ich gerade vielfach, wie furchtbar es ist, wenn die ersten kleinen Therapieerfolge von jetzt auf gleich wieder zusammenbrechen. Da arbeitet mensch über Monate daran überhaupt wieder Nähe zuzulassen. Mensch freut sich über die ganz wenigen Kontakte im eigenen sozialen Mikrokosmos, zu denen auch körperliche Nähe z.B. in Form von einer Umarmung möglich ist – und dann sind diese winzigen Errungenschaften auf Null zu fahren. Ein Mensch-zu-Mensch-Abstand von mindestens 1,50 Metern ist zu wahren, nicht nur auf Händeschütteln ist zu verzichten,  jedweder körperlicher Kontakt ist zum eigenen Schutz und zum Schutz der Mitmenschen zu unterlassen. Anders ist eine Pandemie nicht zu bremsen und die täglichen Zahlen neuer Infizierter und Toter geben dem Recht.

Mir geht es gerade total ab, meine  wenigenLieblingsmenschen / Freunde  nicht umarmen, trösten, aufmuntern zu können oder gar mich selbst aufmunternd, tröstend umarmen lassen zu können. Diese Nähe fehlt mir absolut und dieser Kontakt ist leider nicht durch die körperliche Nähe zu meinem Lebensgefährten zu kompensieren. Ich bin für wahr schon lange kein Rudelmensch mehr, um so wichtiger ist mir die Nähe zu meinen Engsten. Natürlich könnten wir telefonieren, chatten, skypen – doch das kommt nicht annähernd an das heran, was ich mir wünsche, was ich brauche: Das gemeinsame Essen, der gesellige Kaffee, der Spaziergang hat in digitaler Form niemals die Qualität eines Face2Face-Gesprächs.

Hinzu kommt, dass

  • Lieblingsplätze geschlossen sind,
  • ich nicht mehr einkaufen gehen sollte,
  • Gastronomien geschlossen sind.

Gerade die letzten beiden Punkte haben mich in den vergangenen Monaten enorm viel Energie gekostet und ich war so stolz darauf, es wieder zu schaffen durch große Supermärkte zu „schlendern“ und gemütlich mit meiner Familie im Restaurant zu essen und nicht die ToGo-Variante zu wählen, weil ich es nicht ausgehalten habe.

Last but not least ist die größte Herausforderung die Therapie. Das PSYrena Programm, die Gruppentherapie, ist ausgesetzt bis mindestens Ende April. Nach diesem Schock war ich in großer Sorge ob der Einzeltherapie. Sie findet statt, allerdings seit heute digital. Per Video, am Laptop – meine Therapeutin in der Praxis, ich in meinen vier Wänden. Es ist anders. Es ist sehr anders und es kostet enorme Überwindung, zumal ich nicht der Telefon-/VideoMensch bin – im Gegenteil. Es ist mental enorm anstrengend, weil es eben ein Unterschied ist, ob ich einen Menschen in gänze vor mir sitzen habe (selbst auf 2 Meter Abstand) oder nur der Kopf über den Monitor sichtbar ist. Der gewohnte Blick in die Augen entfällt meistenteils, die Mimik ist eine ganz andere und Gestik lässt sich auch nicht so abbilden, „wie in echt“.

ABER es ist die einzige Möglichkeit, die Therapie aufrecht zu halten, es ist eine Alternative und ich bin so offen wie möglich, und gebe dieser neuen Therapieform eine Chance. Ich sitze meiner sehr geschätzten Therapeutin gegenüber und nicht einem wildfremden Menschen an einer Hotline. Das „SichÖffnen“ ergibt sich hoffentlich mit der Routine – und die wird es brauchen, denn ich denke dieses Virus wird uns noch lange beschäftigen, einschränken und auf Distanz halten. Denn diese Distanz ist es, die uns alle eint im Umgang mit den Risiken und Nebenwirkung des Virus, die jeden von uns am Leben hält.

In diesem Sinne

#ichbleibezuhause #distanzfürdiegesundheitaller #flattenthecurve #fuckcorona

Physische Kontakte kann man nicht digitalisieren

 

 

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